Venables: We Are The Lucky Ones (ÖEA)
18.07.2026 | 19 bis 20.45 Uhr
Erl | Österreich
Das gute Leben überleben - We Are The Lucky Ones von Philipp Venables Es gibt Dinge im Leben, von denen man nie genug bekommen kann: Liebe vielleicht, Geld, sicher auch Macht – jene Kraft, die wesentlich tragisch ist, da sie das Übertreffen der Macht anderer voraussetzt und ihre Steigerung im Endeffekt die Gefahr für alle steigert. Doch auch der Komfort gehört in diese Liste, gerade unser westlich saturierter. Denn was uns selbstverständlich erscheint, ist andernorts Entbehrung – und global betrachtet womöglich der Anfang vom Ende. Von dieser Ambivalenz erzählt Philipp Venables’ neue Oper We Are The Lucky Ones, uraufgeführt im März 2025 an De Nationale Opera in Amsterdam. Gemeinsam mit seinen Librettisten Nina Segal und Ted Huffmann hat Venables über 70 Menschen befragt, die im Westeuropa der 1940er Jahre geboren wurden – jene Generation also, die nach dem Krieg aus Trümmern eine Welt des Überflusses schuf. Aus diesen Gesprächen entstanden keine klassischen Rollenprofile, sondern „Zeitkapseln“: Miniaturen aus Erinnerungen, Alltagsbeobachtungen, Träumen und verpassten Chancen. Sie verdichten sich zu einem Portrait jener Epoche, die Historiker später als „Golden Age of Capitalism“ etikettieren werden – einem Zeitalter scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten. Doch Venables’ Oper erhebt keinen moralischen Zeigefinger. Vielmehr hört sie zu: den Stimmen, die nicht rechtfertigen, sondern erklären. In der Frage, wie es kam, dass das Streben nach einem besseren Leben zur Grundlage für globale Krisen wurde, entschleiert sich eine fundamentale Tragik menschlichen Daseins. In der emphatischen Perspektive liegt indes die Stärke von Venables’ Libretto, denn es ist nicht Anklage, keine moralisierende Geste, sondern ein kollektives Erinnern, das zugleich berührt und beunruhigt. Musikalisch folgt die Oper einem ähnlichen Strickmuster. Wie das Libretto zitiert auch die Partitur die Orte und vor allem die Zeit, aus der ihre Protagonisten stammen: Swing, Big Band, Tango, die große Hollywood-Geste – aber nie nostalgisch, nie als bloße Reminiszenz. Vielmehr verwebt Venables diese Elemente zu einem fein gesponnenen Netz aus Klang und Erinnerung, das Vergangenheit lebendig macht, ohne sie zu verklären. Am Ende der 90 intensiven Minuten steht kein Urteil, sondern eine existenzielle Frage: Können wir so weitermachen wie jene Generation, ohne unsere Zukunft zu verspielen? Denn der Komfort, der uns trägt, ist trügerisch – und seine endlose Steigerung vielleicht die größte Gefahr von allen. Musikalische Leitung: Bassem Akiki Regie und Bühnenbild: Ted Huffman Kostüme: Ted Huffman Kostüme: Sonoko Kamimura Choreografie: Pim Veulings Licht: Bertrand Couderc Video: Nadja Sofie Eller Video: Tobias Staab Dramaturgie: Nina Segal Dramaturgie: Laura Roling One: Claron McFadden Two: Jacquelyn Stucker Three: Nina van Essen Four: Helena Rasker Five: James Kryshak Six: Frederick Ballentine Seven: Germán Olvera Eight: Alex Rosen Orchester der Tiroler Festspiele Erl
Bühne | Performance
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16.07.2026 | 19 bis 20.20 Uhr
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