Festspiel-Guide

Musik und Sonne satt

Die Meraner Musikwochen vom 19. August bis 20. September 2019 bieten ein attraktives Festivalprogramm vor prachtvoller Kulisse.

Mit 7 Konzertreihen gehört das südtirol festival merano . meran zu den Blühende Apfelbäume vor schneebedeckten Berggipfeln, kulinarische Höhenflüge und Sonne satt: In Meran könnte es liegen, das Paradies auf Erden. Mit durchschnittlich 300 Sonnentagen im Jahr, seiner südländischen Vegetation mit Palmen und Zypressen, der stilvollen Thermen- und Wellnessanlage und den weitläufigen Botanischen Gärten vor der prachtvollen Kulisse der Alpen ist die malerische Kurstadt im Herzen Südtirols Sehnsuchtsort und Oase für alle Genussliebhaber. Gastfreundlichkeit und Dolce Vita werden hier großgeschrieben, und so lockt das Tor zum Süden alljährlich zahlreiche Besucher aus aller Welt an.
Bereits seit 34 Jahren finden an diesem paradiesischen Ort in den Sommerwochen die Meraner Musikwochen statt. Als kleines Klassikfestival gegründet, ist das südtirol festival merano . meran heute ein anspruchsvolles und erstklassig aufgestelltes modernes Musikfestival, das verschiedenste Sparten abdeckt und renommierte Interpreten nach Meran einlädt. „Klasse statt Masse“ lautet dabei die Devise und so präsentiert sich dem Kulturliebhaber zwischen 24. August und 20. September ein kunstvoll und feinsinnig zusammengestelltes Festivalprogramm, das kaum einen Wunsch offen lässt.
Die große musikalische Bandbreite spiegelt sich dabei auch in den sieben spannenden „Marken“ des Festivals wider: Unter dem Titel „matinée classique“ wird im Pavillon des Fleurs intime Kammermusik geboten, etwa ein Konzert mit dem ECHO-Preisträger Bertrand Chamayou oder dem Trio Alba.
„barocco“ wiederum ist der Titel verschiedener Barockmusik-Konzerte im Palais Mamming, dem Meraner Kursaal und den Kirchen. Ein besonderer Höhepunkt hier verspricht das Konzert „The English Concert“ mit dem Dirigenten Trevor Pinnock, seinem Barockorchester und dem Countertenor Jakub Józef Orliński zu werden; ebenso wie der Auftritt des Ensembles Los Temperamentos, das Musik aus Europa und Lateinamerika zu einem innovativen Konzerterlebnis verbindet.
Im Stadttheater sind unter dem Motto „colours of music“ Crossover-Projekte zu erleben, etwa der Auftritt des Frauenquartetts Salut Salon mit seinem beschwingten Abend rund um die Liebe mit Tango, Chansons, Folk- und Filmmusik.
Außerdem gibt es ausgewählte A-cappella-Konzerte („vox humana“) mit vielfach preisgekrönten Vokalensembles wie den King’s Singers, dem slowenischen Ingenium Ensemble oder dem Orchester der Stimmen Chanticleer aus Los Angeles sowie faszinierende musikalische Porträts vielversprechender junger Künstler in den Schlössern und Kirchen des Meraner Umlands – in diesem Jahr mit dem Schumann String Quartet, einem der aufregendsten jungen Kammermusik-Ensembles der Gegenwart.
Unter dem Titel „mystica“ wird in diesem Sommer zudem ein neues Format eingeführt, das sich in den Kirchen von Partschins, Marling und St. Leonhard magischen, religiösen und spirituellen Klängen widmet und Musiker wie Markus Burger, Jan von Klewitz und das Ensemble Alla Breve nach Meran führt. Mit dem erstklassig besetzten „Nachtkonzert“, bei dem in den vergangenen Jahren schon Stars wie Ute Lemper, Giora Feidman, Michael Nyman, Egberto Gismonti oder Bobby McFerrin aufgetreten sind, wird darüber hinaus ein breites Publikum angesprochen. In diesem Jahr reist zum „Nachtkonzert“ der französische Jazzmusiker Richard Galliano mit seinem Quintett an und spielt Werke von Vivaldi bis Piazzolla. „Wir erreichen mit diesem Angebot unterschiedliche Zielgruppen, die aber auch von einer Kategorie zur anderen wechseln können“, sagt der künstlerische Leiter des südtirol festival merano . meran, Andreas Cappello. Zudem gebe es im Bereich der Weltmusik oder des Jazz „reizvolle Projekte, die sehr gut nach Meran passen“. Kurz: „Man tut eben ganz einfach das, was einem am besten gefällt“ – in diesem Jahr fällt darunter zum Beispiel der Auftritt des gefeierten Jazzpianisten, Musik-Erfinders und Querdenkers Michael Wollny.
Das programmatische Herzstück ist bis heute die Marke „classic“, die das sinfonische Programm des Festivals umfasst. In diesem Sommer eröffnet der international gefeierte Dirigent Sir Simon Rattle mit dem London Symphony Orchestra das Festival und wird dabei die 86. Sinfonie von Joseph Haydn und die 2. Sinfonie von Johannes Brahms zum Leben erwecken und bei Benjamin Brittens Young Person’s Guide to the Orchestra eindrucksvoll demonstrieren, wie die Mechanik einer sinfonischen Klangmaschine funktioniert. Außerdem dirigiert Rattle das 500. Konzert im Rahmen des südtirol festivals und setzt für diesen besonderen Abend Antonin Dvořáks Slawische Tänze und Rachmaninovs 2. Sinfonie auf das Programm. Weitere Highlights im sinfonischen Reigen sind die Auftritte von Iván Fischer und dem Budapest Festival Orchestra, welche die von Hector Berlioz meisterhaft arrangierten Orchesterlieder Les nuits d’été mit Tschaikowskys rätselhafter Pathétique kombinieren, oder die Konzerte des gefeierten Geigers Daniel Hope, mal klassisch mit Mozart, Haydn und Gluck, mal überraschend anders mit Barockhits von Geminiani, Händel, Bach und Vivaldi und Kultsongs von Bernstein und Gershwin. Der russische Dirigent Yuri Termikanov, das St. Petersburg Philharmonic Orchestra und der Pianist Olli Mustonen ­widmen sich mit Tschaikowskys 1. Klavierkonzert und Dvořáks 9. Sinfonie zwei packenden Schlüsselwerken der Romantik, ebenso Philippe Herreweghe, der als Star der historisierenden Aufführungspraxis in der „alten“ Musik in Meran Bruckners spätromantische Tonsprache entschlüsselt. Am 20. September leitet Kristjan Järvi das Abschlusskonzert der Festivalsaison 2019 und spannt zusammen mit den jungen Musikerinnen und Musikern des Baltic Sea Philharmonic den musikalischen Bogen von Arrangements von barocken Repertoirestücken von Bach und Händel bis zum 3. Klavierkonzert von Philip Glass mit der Ausnahmepianistin Simone Dinnerstein.
Neben den großen Konzertprogrammen sind es die vielen Details, die ein Erlebnis der Meraner Musikwochen so einzigartig machen: Da ist die beschwingte Festspielatmosphäre auf der Kurpromenade, auf der es sich herrlich flanieren lässt. Da ist das zauberhafte Flair des architektonischen Jugendstilensembles aus Kurhaus und Pavillon des Fleurs. Oder die Blechbläsertruppe, die vor den Konzerten auf dem Balkon des Konzertsaals aufspielt und festlich den Abend einleitet. Auch in diesem Sommer wird das Paradies auf Erden einmal mehr verzaubern ...

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