Festspiel-Guide

Der Fall Papageno

Max Simonischek: der Papageno in der neuen Zauberflöte. Tatort: die Oper im Steinbruch. Ein Verhör!Oper im Steinbruch vom 10. Juli bis 17. August 2019.

Gleich nach Verona und Bregenz ist die Oper im Steinbruch in St. Margarethen das drittgrößte Open-Air-Festival klassischer Musik, ein internationaler Publikumsmagnet, der große Namen auf die Bühne zieht. Glanzpunkt des diesjährigen burgenländischen Festspielsommers wird Mozarts Zauberflöte, die hier im Steinbruch, etwa 60 Kilometer von Wien entfernt, am 10. Juli Premiere feiert. Mit Max Simonischek ist ein sensationeller Papageno zu erwarten. Simonischek ist im deutschsprachigen Raum eine der wenigen Schauspielgrößen, die durch breit gefächerte Spielkunst faszinieren. Ob im Theater oder auf der Leinwand als wortkarger Schreiner im preisgekrönten Film Die göttliche Ordnung, als schweizerdeutsch sprechender Zwingli oder lässig-cooler TV-Kommissar Laim, der in München ermittelt – Simonischek hat Format. Im Fall Papageno führte Stefan Sell für crescendo das Ermittlungsgespräch:
crescendo: Herr Simonischek, wir hätten da ein paar Fragen, haben Sie einen Moment Zeit für uns? Wo waren Sie zur Zeit der Vorbereitung auf Ihre erste Opernrolle?
Max Simonischek: In Frankfurt am Main, ich habe parallel
Peer Gynt am Frankfurter Schauspielhaus geprobt.
Gab es ein Motiv, die Rolle des Papageno bei der diesjährigen Oper im Steinbruch zu übernehmen?
Ja, ich hatte ein Motiv, ich wollte meinen künstlerischen Horizont um ein Milieu erweitern.
Man sagt Ihnen eine große Liebe zur Musik nach. Zeugen wollen Sie mit einer Ukulele gesehen haben. Wird Ihr Papageno das „Vogelfängerlied“ zur Ukulele singen?
Ich glaube, das wird nicht der Fall sein. Wobei, Sie bringen mich
da auf eine Idee ... Mal schauen, was die Regie dazu sagt.
Wann hatten Sie das erste Mal Kontakt zur Zauberflöte?
Das ist eine gute Frage. Es war im Kindheitsalter. Ich kann mich erinnern, dass die Schallplatte in einer Aufnahme von Herbert von Karajan bei uns zu Hause herumlag. Das muss in Zürich gewesen sein. Ich kann es leider nicht genau sagen, aber es war zwischen meinem zweiten und sechsten Lebensjahr.
Und wie war Ihr Eindruck?
Bunt und märchenhaft, deswegen hat es mich wahrscheinlich als Kind so fasziniert.
Sagt Ihnen der Name Schikaneder etwas?
Ja, allerdings. Ich bin ihm leider nie persönlich begegnet, aber ich hab schon viel von ihm gelesen und gesungen. (lacht) Zum Glück haben wir eine Gemeinsamkeit, Herr Schikaneder und ich: Wir sind beide Schauspieler.
Man erwartet von Ihnen einen außergewöhnlichen Papageno. Wir haben bereits Ihre DNA-Spuren bei ihm gefunden. Haben Sie der Rolle eine Frischzellenkur injiziert?
Garantiert! Da ich relativ jungfräulich an den Papageno herangehe, wird er wohl irgendwo zwischen Plappergeno und Papageno zu finden sein. Ich bin darauf angewiesen, umgeben von Opernsängern, meine eigenen Papageno zu entwickeln. Das ist, glaube ich, auch der Grund, warum ich geholt wurde: dem Papageno eine Farbe zu geben, wie man sie beim ersten Lesen wahrscheinlich nicht vermuten würde.
Das klingt vielversprechend! Haben Sie was dagegen, Ihren Papageno vor Zeugen aufzuführen?
(lacht) Ich würde sagen, in diesem Fall sind Zeugen unerlässlich, weil ich das ausschließlich für die Zeugen mache.
Gibt es etwas, das Sie uns bisher verschwiegen haben?
Hmm ... Da muss ich überlegen, ich spüre das Potenzial eines Wiederholungstäters in mir, das heißt, dass das nicht mein einziger Ausflug in die Opernwelt bleiben könnte.
Worauf dürfen wir uns freuen?
Auf einen spielstarken, spielwütigen, spielfreudigen Papageno.
Wir danken Ihnen, Herr Simonischek. Ihre Aussagen waren sehr hilfreich.