Festspiel-Guide

Chopin and his Europe

Das 16. Internationale Musikfestival Chopin and his Europe in Warschau feiert vom 25. August bis 1. September 2020 den großen polnischen Komponisten und all die, die ihn inspirierten.

Geniales Wunderkind, Dandy der Pariser Künstlersalons, Liebling der polnischen und französischen Aristokratie, ewig Reisender, langjähriger Geliebter der rebellischen Schriftstellerin George Sand, aber auch ewig Kränkelnder und von Launen Getriebener – das Leben Frédéric Chopins war so schillernd wie seine unsterblichen Werke für Klavier. Letztere seien wie „unter Blumen verborgene Kanonen“, staunte einst Komponistenkollege Robert Schumann und jubelte in einer Musikkritik: „Hut ab, Ihr Herren, ein Genie“!

"Musik wie unter Blumen verborgene Kanonen"

In Polens munterer Hauptstadt Warschau, wo Chopin seine ersten 20 Lebensjahre verbrachte, wird der große Komponist vom Weichselufer dieses Jahr nun zum 16. Mal mit dem Internationalen Musikfestival Chopin and his Europe gefeiert. Veranstalter ist das Fryderyk Chopin Institut, das größte Chopin-Zen­trum der Welt.

Das Festival stellt nicht nur das Werk Chopins selbst in den Mittelpunkt, sondern betrachtet es auch durch die Brille seiner Zeitgenossen – derer, die ihn unterstützten und inspirierten und die mit ihm zusammen die europäische Musikwelt der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägten. Da bekommen auch seine polnischen Komponistenfreunde Raum, die von der Nachwelt vernachlässigt oder ganz vergessen wurden, obwohl sie wunderbar wertvolle Werke hinterließen: so etwa Ignacy Feliks Dobrzyński, Józef Nowakowski, Franciszek Lessel oder Józef Krogulski.

Wie jedes Jahr werden prominente Interpreten zum Festival erwartet: Die Pianisten Nelson Goerner, Ivo Pogorelić, Gabriela Montero, Jan Lisiecki und Nikolai Lugansky sind ebenso dabei wie das Belcea Quartett, Tenor Christoph Prégardien, Bariton Matthias Goerne oder das auf historische Aufführungspraxis spezialisierte niederländische Orchestra of the Eighteenth Century. Gespielt wird hauptsächlich in der geschichtsträchtigen Warschauer Nationalphilharmonie, die zwischen 1900 und 1901 gebaut, im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach im klassizistischen Stil wiederaufgebaut wurde.

Auf Originalinstrumenten wird die Magie vergangener Zeiten heraufbeschwört

Das Werk Chopins und seiner Zeitgenossen in authentischer Klang-Aura hörbar zu machen, ist ein wichtiges Anliegen des Festivals. Deshalb werden nicht nur Ensembles und Solisten eingeladen, die sich der historischen Aufführungspraxis widmen, das Institut besitzt auch eine atemberaubende Sammlung von Instrumenten aus der Chopin-Zeit: etwa von Pleyel, Erard oder Broadwood, sowie eine Kopie des Buchholtz-Flügels, auf dem Chopin in Warschau spielte, und des Instruments von Conrad Graf, das er in Wien bespielte. Auf diesen Originalins­trumenten und Kopien beschwören die Pianisten die Magie vergangener Zeiten herauf.

Das Festival möchte auch Menschen erreichen, die nicht nach Warschau kommen können. Deshalb entstanden während der Festival-Konzerte bereits eine Vielzahl von beachteten CD- und DVD-Einspielungen. Dank einer Kooperation mit dem Kultursenders Polskie Radio 2 und der Europäischen Rundfunkunion erreichen die Konzerte außerdem per Radio ein Millionenpublikum. Ausgewählte Konzerte können zudem online, per Live-Stream oder als Video-on-Demand auf dem Youtube-Kanal des Chopin-Instituts miterlebt werden.