Voll Leidenschaft und Spielfreude hat sich das Belcea Quartet in den vergangenen Jahren in den Kammermusik-Olymp gespielt. Neben seinen Live-Auftritten hat es auch einige spannende Einspielungen im Portfolio.

Es ist die leichtfüßige Wucht, mit der das Belcea Quartet seine Interpretationen auf der Bühne und vor den Mikros zu lebendigen Momentaufnahmen macht, die sich der Schwerkraft zu widersetzen scheinen und dabei dennoch vor glühender Intensität nur so strotzen. So wie sich Hochseilartisten mit eiserner Disziplin und Muskelkraft schließlich zu federleicht anmutenden kunstvollen Höhenflügen aufschwingen können, paart sich in der Arbeit des Streichquartetts das Selbstverständnis technischer Brillanz mit einer großen Portion Intuition und Musikalität, mit der die vier Musiker eine ganze Fülle von Zwischentönen aus den Kompositionen herauslocken.

Die rumänische Geigerin Corina Belcea und der polnische Bratschist Krzysztof Chorzelski haben das Belcea Quartet während des Studiums in London 1994 ins Leben gerufen. Nach mehreren Besetzungswechseln prägen bereits seit einigen Jahren die französischen Musiker Axel Schacher und Antoine Lederlin an zweiter Geige und Cello das künstlerische Profil des Klangkörpers.

„Es ist die leichtfüßige Wucht“

Die Spielfreude und die Leidenschaft für das vielseitige Repertoire für die vierstimmige Königsdisziplin der Kammermusik kommt unter anderem in der Diskografie des Streichquartetts zum Ausdruck: Das Ensemble hat nicht nur sämtliche Britten- und Bartók-Quartette sowie Werke von Schubert, Brahms, Mozart, Debussy, Ravel und Dutilleux aufgenommen, sondern auch alle Streichquartette von Ludwig van Beethoven eingespielt. Die Gesamtaufnahme wurde, ebenso wie das Album zum 20. Quartettjubiläum mit Kompositionen von Webern, Berg und Schönberg, mit einem ECHO Klassik Award ausgezeichnet. 2016 konnte das Belcea Quartet sich zudem gemeinsam mit Piotr Anderszewski über den Diapason d’or für seine Aufnahme des Streichquartetts und des Klavierquintetts von Johannes Brahms freuen. Die aktuelle CD des Belcea Quartet dokumentiert nun erneut die erfolgreiche künstlerische Zusammenarbeit mit dem polnischen Pianisten. Für das zweite gemeinsame Album haben die fünf Musiker jüngst das dritte Streichquartett und das Quintett von Dmitri Schostakowitsch für Alpha Classics eingespielt. Die exklusive Zusammenarbeit mit der französischen Plattenfirma fußt auf der gemeinsamen Vision von einem aufgeschlossenen und inspirierten Umgang mit klassischer Musik. In diesem Jahr repräsentiert das Quartett das Label bei der ICMA-Verleihung in Kattowitz, wenn Alpha Classics dort zum „Label of the Year“ gekürt wird.

Die Quartettkarriere, die einst in London und Basel unter den musikalischen Fittichen des Chilingirian Quartets, des Amadeus Quartets und des Alban Berg Quartetts ihren Anfang genommen hat, nahm Ende der 1990er-Jahre schnell an Fahrt auf. Im Hier und Jetzt gehört das Belcea Quartet zweifellos zu den erfolgreichsten Streichquartetten, die sich auf dem Kammermusik-Olymp tummeln. Ihr Renommee hat den Musikern in jüngster Zeit die Position als Ensemble in Residence im Berliner Pierre Boulez Saal beschert. Darüber teilen sie sich seit 2010 mit dem Artemis Quartett eine Residenz im Wiener Konzerthaus. Um ihre Erfahrungen auch mit der neuen Generation ambitionierter Nachwuchsstreichquartette zu teilen, haben die Künstler den „Belcea Quartet Trust“ gegründet, dessen Hauptziel es ist, junge Ensembles auf ihrem Weg zu unterstützen und zu inspirieren und das Repertoire durch die Auftragsvergabe neuer Werke von führenden Komponisten der Gegenwart um neue Kompositionen zu bereichern.